Geschichte

Bei Leitzweiler handelt es sich um eine Adelsgründung des 8. oder 9. Jahrhunderts. In dieser Zeit wurden alle Weiler-Orte als Folge des Bevölkerungszuwachses gegründet. Dabei steckt in "Leitz" der Name des Gründers unseres Ortes, sehr wahrscheinlich der im Frühmittelalter sehr verbreitete Name Leudoin.

1440 gehörte Leitzweiler zur Veldenzer Grafschaft und war als Lehen den Grafen von Dhaun zugesprochen. Noch heute ziert die obere Hälfte des Wappens der Grafschaft von Veldenz die Wappen vieler Ortschaften in dieser Region, darunter auch das Wappen von Leitzweiler.
In der damaligen Zeit war Leitzweiler (alte Namen sind Leideßweiler, Leydesweiler oder Laitzweiler) sicher weniger ein Dorf als vielmehr ein Bauernhof mit wenigen Bewohnern.

1444 gelangte das Dörfchen durch Ererbung an das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken und gehörte in diesem zum Oberamt Lichtenberg. Bereits 1533 war Leitzweiler neben Mettweiler, Fohren und Linden ein Lehen an die Herren von Oberstein. Ein Vertrag von 1539 zwischen dem Oberamt Lichtenberg und den Herren von Oberstein stellte klar, dass das Amtsverhör in Civil-, Personal- und Realsachen dem Herzogtum Pfalz-Zweibrücken zustand. Die Obersteiner Herrschaft hielt allerdings nicht allzu lange vor, da diese 1559 zerfiel und somit Leitzweiler nunmehr ein Lehen der Herrschaft Wertenstein wurde. Zunächst umfasste die Herrschaft die Ortschaften Leitzweiler, Heimbach, Weiersbach, Namborn, Ellweiler und Bleiderdingen. In der Nähe letzterem war auch das Wertensteiner Schloss gelegen.
1570 brannte Leitzweiler völlig ab, jedoch zählte "Laitsweiler der Hof" bereits 1587 wieder vier Häuser.

Aus dem Kirchenvisituationsprotokoll des Oberamtes Lichtenberg 1609, Pfarrei Wolfersweiler(evangelisch):

Einwohnerliste Leitzweiler von 1609
Häuser/
Herdstellen
EheleuteWitwer/
Witwen
Kinderdavon
Söhne
davon
Töchter
KnechteMägdeSeelen
gesamt
Leitzweiler516120119--37
Rohrbach510311472228
Rückweiler615-141043234
Gimb- und Frudesweiler13281321814--61
Wolfersweiler3570899425789194

1620 trat ein neuer Vertrag  zwischen Pfalz-Zweibrücken und Wertenstein in Kraft. Dieser legte das Amtsverhör in Civil-, Personal- und Realsachen der Herrschaft Wertenstein in die Hand, die Hochgerichtsbarkeit blieb jedoch bei Pfalz-Zweibrücken. U.a. waren zuvor Probleme beim Besuch des Wochenmarktes aufgetreten. Die Leitzweiler waren gezwungen, diesen in Baumholder zu besuchen. Wenn sie dort nicht erschienen, hatten sie Strafen zu zahlen, sogar dann, wenn sie am gleichen Tag Frohndienst in Wertenstein leisten mussten. Mit diesem Vertrag waren für diesen Fall keine Strafe zu bezahlen, wenn eine Bescheinigung eines Beamten von Wertenstein vorlag.

Der 30jährige Krieg (1618-1648) brachte unserer Gegend Plünderungen, Verwüstung und Zerstörung. Die Folgen waren Hunger und Seuchen, die die Bevölkerung nachhaltig dezimierten. Leitzweiler und Heimbach brannten 1635 völlig nieder. Einer Überlieferung zufolge sollen Leitzweiler Bürger auf die Burg Birkenfeld geflüchtet sein.

Erst 1664 werden in Heimbach und in Leitzweiler wieder je zwei Einwohner aufgeführt. In Leitzweiler handelte es sich dabei der Erzählung nach um einen französischen Soldaten mit Namen "Werle". Und tatsächlich tauchen in dem Familienbuch Hoppstädten-Weiersbach die ersten Familien mit Namen "Werle" ausschließlich in Leitzweiler auf. Dieser Name hat bis heute eine erstaunliche Verbreitung erfahren. Es gibt kaum ein Dorf in der näheren Umgebung Leitzweilers, in dem dieser Name nicht zahlreich vertreten wäre.
Darüber hinaus war erst dieses neu aufgebaute Dörfchen auf dem Boden des heutigen Leitzweilers gelegen. Das vor dem 30jährigen Krieg existierende Dorf war wohl 100 - 200 m näher an Heimbach zu finden.

1667 gelang es Lothringen schließlich endgültig, seine Landeshoheit über die Herrschaft Wertenstein durchzusetzen. Damit waren die Jahrhunderte alten Streitigkeiten mit Oberstein oder Pfalz-Zweibrücken endlich beigelegt. Leitzweiler gehörte nun zum Oberen Amte Schaumburg.

Der letzte Herr von Schloss Wertenstein starb 1745. In den folgenden Jahren (1748 bis 1754) verkauften dessen Nachkommen die Herrschaft an die Abtei Tholey, die sich so die Zehntrechte sicherte. Weiterhin übte die Abtei die niedere Gerichtsbarkeit aus, während die Hochgerichtsbarkeit nach wie vor bei dem Herzog von Lothringen lag. Berufungen mussten daher in Nancy eingebracht werden. 1766 starb der letzte Herzog von Lothringen, Frankreich trat das Erbe an. Doch schon nach wenigen Jahren fädelte der Herzog von Zweibrücken einen Tausch mit Frankreich ein. Zweibrücken tauschte Orte im Elsaß gegen die Ortschaften Freisen, Heimbach, Weiersbach, Bleiderdingen und Leitzweiler. Durch diese Ortschaften gelang es dem Herzog 1783, Lücken in seinem Besitz zu schließen.

Im November 1792, drei Jahre nach der französischen Revolution, fielen französische Revolutionstruppen über unsere Gegend her. Auch Leitzweiler wurde von den Franzosen niedergebrannt, jedoch handelte es sich dabei wohl um eine Verwechslung mit dem wenige Kilometer entfernten Eitzweiler, welches im heutigen Saarland liegt. Als Entschädigung sollten die Eitzweilerer Bürger den Leitzweilern Eichenholz für den Wiederaufbau liefern. Stattdessen bekamen die Leitzweiler nur Holz der Esche, das im Gegensatz zur Eiche nicht beliebt ist, da sich der Holzwurm darin wohlfühlt. Mit dem Frieden von Campo Formio im Oktober 1797 wurde das linksrheinische Gebiet an Frankreich abgetreten. Alle herrschaftlichen Güter wurden verstaatlich und französische Gesetze eingeführt. Leitzweiler war Teil des Saardepartements im Kanton Birkenfeld.

Einwohnerentwicklung in Leitzweiler:

1609 1623 1635-1663 1664 1816 1819 1843 1861 1871 1895
37 28 verlassen 2 93 105 111 118 153 130
 
1926 1950 1958 1961 1978 1990 1992 2004 2006 heute
153 180 174 166 132 110 124 130 115 ca. 120

Der französische Feldzug ging weiter, beendete 1806 das 1000jährige Bestehen des "Heiligen römischen Reiches Deutscher Nation". Erst 1813 erlitt Napoleon in der Völkerschlacht von Leipzig eine entscheidende Niederlage. Die französische Armee floh schließlich nach Paris, wurde aber von den Preußen verfolgt. So wurde das linksrheinische Gebiet wieder von den Franzosen befreit und gemäß Vertrag vom Mai 1814 unter eine kaiserlich-königlich-österreichische und königlich-bayrische Landesverwaltungskommission gestellt. Leitzweiler lag im Amtsbezirk Berschweiler im Kanton Baumholder im Kreis Birkenfeld.

1814/15 schließlich tagte der Wiener Kongress, der Europa nach der Zeit von Napoleon neu gliedern sollte. Im April 1815 fielen große Teile der nunmehr herrenlosen Gebiete an Preußen. Die neu gebildeten Kantone St.Wendel, Grumbach und Baumholder, darunter auch Leitzweiler, wurden in der Schlussakte des Wiener Kongresses jedoch dem Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld als Entschädigung für die den Verbündeten geleistete Hilfe zugesprochen.

Das Wappen des Fürstentum Lichtenberg

Im September 1816 nahm Sachsen-Coburg das zugesprochene Gebiet mit 25.000 Seelen und einer Fläche von 8,25 Quadratmeilen in Besitz. Regierungssitz des ab 1819 unter dem Namen "Fürstentum Lichtenberg" geführten Landstrichs war St. Wendel. Das im Norden Leitzweilers gelegene Weiersbach wurde wie große Teile des heutigen Kreis Birkenfeld dem Großherzogtum Oldenburg zugesprochen und als "Fürstentum Birkenfeld" geführt. Somit war Leitzweiler ein Grenzdorf zwischen diesen beiden Fürstentümern.

1832 fand schließlich das Hambacher Fest statt, bei dem über 20.000 Menschen für Freiheit, Demokratie und nationale Einheit demonstrierten. Da es auch in St. Wendel zu Ausschreitungen kam, beschloss der Herzog, das Fürstentum Lichtenberg an Preußen zu verkaufen. Für 2,1 Millionen Taler wechselte es somit 1834 den Besitzer. Preußen gliederte die Neuerwerbung als "Kreis St.Wendel" in den Regierungsbezirk Trier ein. Somit war zwischen Leitzweiler und Weiersbach nun die Grenze des Königreich Preußen und des Großherzogtum Oldenburg. Noch heute erinnert ein großer Grenzstein mit den Buchstaben "KP" auf der Seite Leitzweilers und "GO" auf der Seite Weiersbachs an diese Zeit.

Die Wirren der Herrschaft über Leitzweiler:

bis 1444 Grafschaft Veldenz
1444 - 1667 Pfalz-Zweibrücken
1667 - 1766 Lothringen
1766 - 1783 Königreich Frankreich
1783 - 1797 Pfalz-Zweibrücken
1797 - 1814 Frankreich
1814 - 1816 unter österreichisch-bayrischer, später preußischer Verwaltung
1816 - 1834 Fürstentum Lichtenberg (zu Sachsen-Coburg-Saalfeld)
ab 1834 Preußen

1816 gab es in Leitzweiler:

  • 6 Ochsen
  • 13 Pferde
  • 20 Rinder und Kälber
  • 35 Kühe
  • 62 Schweine
  • 182 Schafe und
  • 93 Einwohner

Als Folge der Niederlage des 1. Weltkriegs und dem daraus resultierenden Versailler Vertrag (1919) wurde der Kreis St. Wendel aufgeteilt. 26 der insgesamt 94 Gemeinden wurden dem neu errichteten Saargebiet zugeschlagen, das unter der Verwaltung des Völkerbunds stand. Leitzweiler entkam dem Saargebiet knapp und bildetete von nun an mit den anderen 67 Gemeinden den "Landkreis St.Wendel-Baumholder (Rest)". Sitz der Kreisverwaltung war von nun an Baumholder.

In den 1930er formierten sich die Männer des Dorfes zu einer Art Musikverein.

Leitzweiler um 1940 und heute

1937 gingen mit dem Groß-Hamburg-Gesetz die Oldenburg zugehörigen Gemeinden im Norden Leitzweilers an Preußen über. Zusammen mit dem Restkreis St.Wendel-Baumholder wurde der neue preußische Kreis Birkenfeld erschaffen, zu dem Leitzweiler auch heute noch gehört.

Kirchlich war Leitzweiler lange Zeit Teil der katholischen Pfarrei Bleiderdingen. Bis 1932 wurden sogar unsere Toten in Bleiderdingen bestattet, erst dann erhielt Leitzweiler einen eigenen Friedhof. 1947 gelangte unsere Ortsgemeinde jedoch von der Pfarrei Bleiderdingen zur Pfarrei Rückweiler. Selbst eine Unterschriftenaktion der Bürger nützte nichts. Aus Protest gingen viele Leitzweiler noch lange nach Bleiderdingen in die Kirche, einige sogar nach Heimbach.
Quellen:
1) Familienbuch der Ortsgemeinde Hoppstädten-Weiersbach, Rudi Jung, 1986
2) Heimatbuch Freisen, Rudi Jung, 1973
3) Nahe-Zeitung 4.11.1998

4) Bleiderdingen, Wolfgang H. München, 1985
5) Erzählungen von Martha Gansemer und Alois Schäfer
6) Dr. Martina Pitz, Uni Saarbrücken